Ein Hebammenblog für Hebammen

Kann man Hebamme lernen?

fragte mich ernsthaft ein werdender Vater in meiner Ausbildung, als ich mich als Hebammenschülerin vorstellte. Äh, ja sicher. Hebammen sind schließlich keine alten, grauhaarigen Frauen, die mehr oder weniger irgendwie wissen, wie das mit der Geburt geht und nach heißem Wasser und Tüchern verlangen. Das mit dem heißen Wasser habe ich sowieso nie verstanden. Um das Basiswissen rund um die Geburtshilfe und alle anderen Sachen um den Hebammenberuf zu lernen, durchläuft man eine dreijährige Ausbildung, teilweise mit einem Studium kombiniert. Wie allerdings meine Lehrhebamme zu sagen pflegte: „Richtig lernen, was man als Hebamme alles so macht, das tut man erst nach der Ausbilddung.“ Damals habe ich mir das mit Skepsis angehört. Heute gebe ich ihr Recht.

„Ach, Hebamme. Wie schön, Babys auf die Welt zu helfen!?“

sind entzückte Ausrufe, meist von Omas, die anscheinend vergessen haben, wie anstrengend Geburten für alle Beteiligten sind. Ich möchte nicht von Eltern wahrgenommen werden als Frau, deren einziger Zweck es ist, bei der Geburt ein CTG anzulegen und nach der Geburt Babys zu baden, wenn’s in der Geburtshilfe aber kompliziert wird, das Feld (also den Kreißsaal) dem Arzt überlassen muss. Weil der Arzt schließlich Medizin studiert hat. Der hat mehr Ahnung. Und ein Ultraschallgerät.

Tatsächlich habe ich seit Jahren kein Baby mehr gebadet. Das dürfen gerne die Eltern tun. Häufiges Baden ist sowieso nicht gesund für die Haut. Hebammen können übrigens auch studieren. Hebammenwesen.

Erfahrung oder Intuition

Ich glaube nicht an Intuition und Gefühle, sondern daran, dass man Erfahrungen sammelt und neue Situationen unbewusst an alten Erfahrungen misst und einschätzt. Manche nennen das Intuition – ich nenne das Erfahrung. Im Hebammenberuf ist Erfahrung etwas sehr wertvolles. Trotzdem muss man flexibel sein und Praktiken überdenken und verändern, die sich (wissenschafltich) als nicht hilfreich oder sogar auch als schädlich erweisen.Das nennt sich dann „evidenced-based“. So einfach ist das.

In diesem Blog will ich mich mit Empfehlungen und Leitlinien zur Geburt beschäftigen, mit Schwangerenvorsorge, Neues zum Stillen, Zufüttern, Selbsthypnose bei der Geburt oder Alleingeburten oder auch was mir im Alltag als Hebamme begnegnet.